1 Liter Milch kostet weniger als eine Plastiktüte

Wie hoch ist ein gerechter Preis für die Milch. 30, 40 oder doch 50 Cent?

Ich möchte Euch hier einen Auszug aus dem Infobrief von Michael Braun vorstellen. Er ist Bio-Landwirt und liefert im Raum Karlsruhe Gemüsekisten aus. Von Zeit zu Zeit bestelle ich auch regelmäßig in seinem Online Shop meine Gemüse Abokiste. Seine Infobriefe sind super nett und nehmen am Ende oft Stellung zu einem aktuellen Thema aus allen Bereichen. Der Infobrief vom Mai 2016 richtet sich an uns Verbrauchen. Aber liest am besten selbst……

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Wie hoch ist ein gerechter Preis für die Milch. 30, 40 oder doch 50 Cent? Reden könnten wir auch über einen gerechten Preis für Radieschen, oder Tomaten. Der Forderung nach gerechten Preisen folgt auf dem Fuß die Notwendigkeit der Mengenregulierung, denn zu gerechten Preisen in unbegrenzten Mengen zu produzieren wäre ein Traum für jeden Bauern, dann jedoch wären wir wieder dort wo wir herkommen und wo viele Milchbauern wieder hinwollen: bei den Milchmengenkontingenten. In solch geschützten Märkten lebt es sich eben bequem und oft steht hinter einer wohlgemeinten Argumentation nichts weiter als Besitzstandswahrung, wie z.B.: die Winzer unter dem Hinweis des Schutzes der Steillagen die Planzrechte für Weinreben verteidigen. Oft ist auch die Forderung nach einem gerechten Preis mit der Wunschvorstellung nach einem anstrengungslosen Wohlstand verknüpft, dahingehend einen Anspruch auf einen bestimmten Preis zu haben. Ich sehe sehr wohl die Not der Milchbauern, bei nun 20 Cent/kg Milch fehlen einem durchschnittlichen Milcherzeuger mehrere 10 000€ am Jahresende. Da hilft dann nur der Gang nach Canossa zur Hausbank, wo einem eine Milchschnitte erklärt wie man es besser machen könnte und sollte. „Den Traktor an die hauseigene Leasinggesellschaft verkaufen um ihn dann zurückzuleasen“. Das ist bitter, hilft der Bank aber nicht dem Bauern.

Die Milchkrise ist ein Ergebnis der Exportorientierung der Milchwirtschaft in den letzten Jahren, unterstützt vom Bauernverband und der Politik. Aldi, Lidl und Co trifft hier am wenigsten die Schuld. Die Milchviehhaltung hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Durch die Genomanalyse haben wir einen rasanten Zuchtfortschritt. 10 000kg Milch pro Kuh sind fast schon die Regel. Ermolken werden diese Leistungen aber nur mit einem übermäßigen Kraftfuttereinsatz, dem zusätzlich noch Glyzerin, Propylen, Glykol oder auch Harnstoff beigemischt wird um den Energie und Eiweißgehalt im Futter sicherzustellen. Eines der Hauptprobleme der Milchviehfütterung ist heute, die für die Michproduktion der Kuh notwendigen Futtermengen überhaupt in die Kuh hineinzubekommen. So ein Milchkuhleben ist heute ein Dasein im physiologischen Dauerstress. So leidet neben dem Milchbauern auch die Milchkuh in der Milchkrise. Das wird zu oft vergessen.

Ein gerechter Preis ist der, den Sie bereit sind für ein Produkt zu zahlen. Sie können 40 Cent für den Liter Milch bezahlen, aber auch 1,60€. Wenn Sie 1,60€ bezahlen wissen Sie aber auch, daß die Milch ökologisch erzeugt wurde, daß die Kühe einen Auslauf haben und im Sommer auf die Weide kommen. Sie können 10 Cent für ein Ei bezahlen aber auch 40 Cent oder 50 Cent. Dann aber wissen Sie, daß bei Biolandhühner max. 3000 Hennen/Stall gehalten werden, daß die Hennen einen Weidauslauf haben und mit nicht gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden. Schmecken werden Sie in den wenigsten Fällen den Unterschied, aber mit dem Preis, den Sie bereit sind zu zahlen machen Sie auch eine Aussage darüber, was für eine Art von Landwirtschaft sie wollen.
Ich wünsche Ihnen eine schöne sonnige Woche
Michael Braun

 

Biohof Braun
Hohbergstr. 14
71665 Vaihingen Aurich
Tel.: 07042 9 20 64
Fax: 07042 9 23 72
eMail: info(at)biohof-braun.de
vertreten durch den Geschäftsführer Herr Michael Braun
Online Shop unter http://www.biohof-braun.de/shop/

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