Mein Landleben im Blockhaus mit Garten

Vor beinahe 20 Jahren bin ich nach Malsburg gezogen zu den Wäldern, so nennt man die Menschen dort. Über mein Landleben im Holzblockhaus mit Garten, meine Begegnungen mit Menschen, hatte ich mir Fotos und  Notizen gemacht, die ich gerne mit euch teilen möchte.

Meine Landleben im Blockhaus mit Garten


Ich bin in die Toscana Deutschlands gezogen, ins Markgräflerland

Es gibt durchaus ernstzunehmende Stimmen die behaupten, dass das sanfte Hügelland vor dem Schwarzwald nicht nur die Toscana von Deutschland ist, sondern sogar noch schöner ist, als die Toscana in Italien. Für mich auf alle Fälle.
Warum sind wir Karlsruher, die 10 Jahre in Grenzach lebten, ausgerechnet da gelandet? Der Grund war eine blaue Blüte. Genauer eine Postkarte aus unserer Postkartenserie mit einer blauen Blüte. Durch diese Prunkwinde, genaugenommen durch dieses veredelte Ackerunkraut, habe ich das Architektenehepaar Gothe kennengelernt. Sie waren gerade dabei bei Kandern,  bzw 5 km östlich in Malsburg, ein Holzständerhaus zu bauen. Als ich die Gegend am Fuße des Blauen zusammen mit meinem Mann das erste Mal bereiste, erschien sie uns als das, was wir schon immer gesucht hatten: ein kleines grünes Paradies.
Wir als Fotografen wollen da wohnen und leben, wo andere Menschen Urlaub machen. Wir wollen als Fotografen nicht nur Landschafsbilder entdecken und mit der Kamera festhalten, wir wollen auch in so einem Bild bzw in solch einer Landschaft wohnen.
Zufällig gab es im Baugebiet Herrenacker einen Sonnenhang, wo noch das letzte Grundstück zum Kauf angeboten wurde.

Holz spielt hier die Hauptrolle

Wir brauchten nicht lange zu überlegen, um uns für den Bau eines Blockhauses zu entscheiden, das gut in diese waldreiche Gegend am Rande des Schwarzwaldes passt. Gut ein Jahr lang verglichen wir zusammen mit unserem Architekten  Holzblockhäuser in der näheren und weiteren Umgebung. Allen war gemeinsam, dass sie urgemütlich sind. Wir wollten mit einer  Holzhausfirma in Ibach im Hotzenwald unseren Traum realisieren. Die Entscheidung für eine Baufirma ähnelt einer eheähnlichen Partnerschaft, allerdings auf kurze Zeit und stellte einen wichtigen Schritt zur Realisierung unseres Traums dar. Der Architekt war auch gefunden. Beziehungsweise die blaue Blume hatte ihn für uns schon gefunden.
Ich muss gleich erwähnen, dass wir den Ehrgeiz hatten, so gut wie nichts am Bau selbst zu machen. Heutzutage braucht diese Haltung viel Mut und man darf sie nicht laut sagen, da die meisten Häuslebauer schon Maurer, Schreiner, Zimmerleute, Fliesenleger und was noch alles selber sind. Wir aber, haben Achtung vor diesen Handwerksberufen. Wir planen lieber gut und das ist ja schon halb gebaut. Aber vor allen Dingen waren wir guten Mutes und freuten uns auf das Vorhaben.
Wie schon gesagt, es sollte ein kleines Holzblockhaus sein. Eine urgemütliche Holzhütte wie wir sie auf der Alm in der Steiermark bei unseren Urlauben kennengelernt hatten. Die alten ehrwürdigen Fichten kamen aus einem natürlichen Aufwuchs bei St. Blasien auf 1000m Höhe. Sie waren um die hundert bis hundertfünfzig Jahre alt und sollten bei uns weiterleben. Nach langen Gesprächen entschieden wir uns für mondgeschlagenes Holz. Auch wenn es noch keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt. Wir sind selbst Wissenschaftler genug, um zu wissen, frei nach Sokrates, dass wir eigentlich nichts wissen. Nach Unterhaltungen mit älteren Dorfbewohnern erfuhren wir dass “ Luna “ Holz am beständigsten ist und traditionsgemäss hier schon immer verwendet wurde. Es wird im Winter bei abnehmendem Mond geschlagen, wenn die Säfte aus dem Baum gezogen sind. Einige meiner zukünftigen einheimischen Nachbarn hatten alle genug Beispiele zur Hand, die die Beständigkeit von mondgeschlagenem Holz anschaulich belegen können. Daher lohnt sich doch immer wieder ein Schwatz mit den Nachbarn. Im September sollte der Hausbau beginnen, in diesem Haus spielte nur ein  Material die Hauptrolle: das Holz.

Aufbau unseres Holzblockhauses oder die Poesie der Einfachheit

Jeden Tag, wenn ich zur Baustelle fuhr, kam es mir vor, als ob ich in Urlaub fahren würde. Aber manche Bekannte sahen das auch ganz anders.
„Was –  Ihr zieht auf den Wald, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen!“
Milde wurden wir belächelt, wenn wir Freunden erzählten nach Malsburg zu den Wäldern ziehen zu wollen. Zugegeben wir hatten von dem Ort vorher auch noch nie gehört. Sie befürchteten sogar, dass wir von allem Konsum abgeschnitten sein würden, vielleicht sogar verhungern könnten, wenn es ganz dumm kommt. Na ja, wir könnten schon mal vorsorglich Kartoffeln anbauen und im Lehmkeller lagern. Aber Rosen wollte ich auf alle Fälle auch pflanzen.
Der Aufbau unsres Holzhauses, lief reibungslos. Wir hatten jetzt Mitte September und doch brannte die Sonne noch erbarmungslos auf unsere armen Zimmerleute herunter. Die Fichtenbalken waren so gleißend hell, dass die Zimmerleute es vorzogen mit Sonnenbrille zu arbeiten. Bei unserem Nachbarn, einem praktischen Arzt, lagerte ich Eis in der Tiefkühltruhe für einen Eiskaffee und zur Abkühlung für alle. Für Vanilleeis gingen sie gerne zum Arzt.  Mir sind die Nachmittage auf der Baustelle bei Eiskaffee mit Schlagsahne immer noch in angenehmer Erinnerung. Der Nachbar oberhalb von uns ist Masseur, der seine Dienste unseren Leuten auch schon angeboten hatte.
Kein Wunder stand das Haus in 14 Tagen fast fertig da. Mitte September wollten wir dann Richtfest feiern. Eine Bauersfrau, backte mir dafür frisches Holzofenbrot und von unserem Tankwart bekam ich Most für alle, sogar geschenkt.
Na bitte, ich glaube wir sind hier im Schlaraffenland gelandet. Auf dem Land  scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, oder? Als ich beim  Bäcker im Nachbarort Kandern Flammkuchen bestellte, erfuhr ich so nebenbei eine Menge über die Lebensgewohnheiten von Haien, die er im Keller hielt und mit denen er nach der Fütterung auch schwimmen ging. Zu meinem Erstaunen, hatte ich es mit einem promovierten und engagierten  Ernährungswissenschaftler zu tun. Darüber hinaus hatte ich einen ausgezeichneten Marzipanbäcker vor mir. Jetzt reicht’s aber. Ich bestellte noch schnell meinen Flammkuchen, der natürlich angeliefert wurde und torklte benommen aus der Backstube. Fast wäre ich dabei über seinen riesigen Hund gestolpert, der passend zu den Fischen Schwimmhäute zwischen den Zehen hatte. Das vergaß ich glatt am lebenden Objekt nachzuschauen. Ich machte ganz neue Erfahrungen beim Bäcker. Da soll noch jemand sagen hier wäre nichts los. Das Gegenteil ist der Fall. Ich staunte nur so über die Menschen, die hier leben.

Fortsetzung folgt…

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